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Weltenende

27 Aug. 2014 11:13 | Kategorie: Tourtagebuch

Am nördlichsten Festlandpunkt Europas

Alle kennen das Nordkap. Der nördlichste wirkliche Festlandpunkt Europas findet sich aber auf der Nordkinn-Halbinsel. Wie schaut nun Europas nördliches Ende und die Landschaft hier aus? Die Bilder unten vermitteln Euch einen guten Eindruck.

Landschaft extrem

27 Aug. 2014 11:12 | Kategorie: Fotografie

Die Nordkinn-Halbinsel

Es gibt Orte deren Landschaft ist derart extrem, dass man nicht weiß ob man sie mag und bleibt oder möglichst zügig wieder das Weite sucht. So ergangen ist es mir mit der Nordkinn-Halbinsel. Extreme Wetterwechsel, fast permanenter kräftiger Wind und großteils keinerlei höherer Bewuchs wirkten am Anfang zunächst faszinierend, später oft frustrierend. Wir kannten die Nordkinn ja schon von 2008. Diesmal hielten wir uns hier aber wesentlich länger auf. Wie extrem die Gegensätze sind, zeigt dieses Bild. Ein kräftig grünes Tal umgeben von Gebirgszügen die an Zentralasien erinnern.

Körperpflege auf 71 Grad Nord

27 Aug. 2014 11:10 | Kategorie: Tourtagebuch

Warmes Wasser und eisiger Wind

Manchmal muss man sich etwas gönnen, auch wenn der Aufwand und die Umsetzung hierzu in keinen gutem Verhältnis stehen. Haare waschen und Rasieren mit warmen Wasser sind, wenn man draußen lebt, Luxus pur. Damit sich alle Leser ein Bild davon machen können, fasse ich den Handlungsstrang zusammen. Nach dem Entschluß zur Körperpflege habe ich mit zwei Kanistern a 5 Liter in etwa 400 Metern Entfernung Wasser aus einer kleinen Quelle geholt. Das Brennmaterial bestand aus Treibholz, welches ich am Vortag aus knapp 500 Entfernung herangetragen haben. Den Ofen haben wir so gut wie es ging im Windschatten hinter unserem Qek aufgebaut. Der Wind wehte eisig, trotz loderndem Feuer, wurde das Wasser nicht mehr als lauwarm. Deshalb haben wir mit dem Treibholz um den Ofen herum noch eine Art Windschutz gebaut. Ladies first - die erste Ladung warmes Wasser hat Tina bekommen und sich windgeschützt im Camper gewaschen. Mit der zweiten Ladung Wasser habe ich mich erst rasiert, die Haare gewaschen und dann noch geduscht. Im eisigen Wind ein tolles Erlebnis. Mit der richtigen Technik reichen tatsächlich hierfür 5 Liter aus. In einiger Entfernung haben uns Wohnmobilisten beobachtet. Ihre Gesichter hätte ich gern gesehen, als sie bemerkt haben, was da für ein "schräger Vogel" eingeseift nackt vorm alten DDR-Wohwagen im Eiswind auf 71 Grad Nord herumhüpft.

Zusammenfassung der letzten Wochen

26 Aug. 2014 14:39 | Kategorie: Tourtagebuch

Abwechslungsreiche Zeiten

Die Internetsituation hier im nördlichen Norwegen ist schlecht. Fast an allen Stationen war es uns unmöglich überhaupt Bilder hochzuladen oder den Blog zu aktualisieren. Zig dutzendfach machten uns die Netzwerkeinstellungen einen Strich durch die Rechnung. Manchmal konnte man nicht einmal 1 MB hochladen. Egal wer die Netzwerke hier konfiguriert - ob in Firmen oder öffentlichen Stellen - man kann nur den Kopf schütteln. Das betrifft sogar die Nationalparkcenter.
Einen Großteil der vergangenen Wochen arbeiteten wir an einem Fotoauftrag einer nördlichen Kommune. Dieser ist nun abgeschlossen. Eine Auswahl der dabei entstandenen Aufnahmen findet ihr unten.
Es waren intensive Wochen. Hier oben auf 71 Grad Nord ist vieles anders. Die Gegensätze sind enorm. Nicht nur in der Landschaft, auch in der Gesellschaft. Ein finnischer Kollege erzählte mir, dass in der Ortschaft Gamvik auf knapp 140 Häuser und Hütten in etwa 130 Einwohner kommen. Viele Häuser stehen leer, viele sind am Zerfallen. Die Fischfabrik in Gamvik wurde von Isländern aufgekauft - die Globalisierung wirft ihren Schatten also auch ins subarktische Gebiet. Viele der Arbeiten in den Fischfabriken werden von Arbeitsnomaden aus Asien und Osteuropa erledigt. Das ist in Gamvik so, aber auch in Mehamn etc. Norweger berichteten mir, dass viele norwegische Jugendliche und junge Erwachsene nicht mehr für diese Arbeiten zu begeistern sind. Das Vakuum wird also von Wanderarbeitern gefüllt. Ziemlich isoliert wirken sie hier, da viele nur saisonal hier sind und des Englischen nicht mächtig. Ruan, der mit seiner Frau Tina aus der Schweiz hier hoch ausgewandert ist, sagte mir, dass in Mehamn 27 Nationalitäten zu finden seien.
Ich wollte mit einigen Fischern herausfahren, doch trotz zigfacher Versuche: Nichts hat geklappt. Manchmal lag es am Wetter, oft waren es andere Gründe.
Wir campierten viele Nächte auf einem alten deutschen Artilleriestützpunkt bei Mehamn. Ein schöner Platz bei schönem Wetter, weil gleich rechts und links die Fotomotive liegen. Hier ist noch ein Teil der Bunkeranlagen erhalten, ebenso die Fundamente für die Geschütze. Die Norweger haben begonnen das Areal wieder herzurichten. Mehrere Grillplätze sind eingerichtet, Infotafeln wurden aufgestellt. So schön der Platz bei gutem Wetter war, wenn Sturm und Regen aufzog spielte er knallhart seine Nachteile aus. In der Nacht kaum Schlaf, weil der Wind um die Dachluke und die Solarmodule pfeifte. Unser Qek hielt sich tapfer, schwankte aber mächtig. Normal ist hier oben ein Gewitter im Jahr. Wir erlebten allein drei in den vergangenen Wochen. Eines davon war derart heftig, dass sich die alten Mehamner nicht an etwas gleichartiges erinnern können. Wir standen "herrlich" exponiert in diesem Gewittersturm. Die Blitzfrequenz war filmreif. Blitze schlugen ins Meer und in die Berge ein. Viele nicht einmal in 150 Metern Abstand. Wir schätzen, dass etwa 10 - 15 Blitze im Radius von 250 Metern einschlugen. Unsere Elektronik hat es überlebt. Was haben wir dabei gemacht? Natürlich gekocht, die Gardinen zur Seite geschoben und gemütlich gegessen. Spaghetti und die berühmte Nudelsoße mit Chili von Carmen (Danke für das Rezept!). Die Einheimischen waren vom Wetter derart perplex, das permanent Autos zu uns auf die Landzunge gefahren sind. Sicherlich haben sie sich über das Wetter gewundert, über die seltsamen Deutschen mit Sicherheit auch. Am Tag darauf sagte uns ein Mehamner, dass manche ihre Häuser aus Angst verlassen hätten, und sich in ihren Autos sicherer fühlten. Der Sturm legte dann Teile der Stromversorgung lahm und damit auch den Zugang zum Internet. Es fiel enorm Wasser vom Himmel, dementsprechend spülte es mächtig die Straßen und Wege aus.
Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass das Wetter hier im 10 Minuten Takt wechseln kann. Wenige Wochen vor unserer Ankunft starb ein Tourist auf See. Durch die Tatsache, dass man hier bequem mit dem Auto herfahren kann, vergisst man sehr leicht auf welchen extremen Breitengraden man sich befindet.
Fotografisch war es hier traumhaft, sehr ergiebig. Schöne Bilder sind entstanden. Wieder haben wir einen Ossi-Landsmann, diesmal aus Altenburg, getroffen. Und wieder hat sich gezeigt, dass die Ossis doch die wohl nettesten Reisenden sind: Wir bekamen drei Liter Rotwein geschenkt. Tausend Dank an das nette Paar - wir hatten uns einander ja nicht einmal vorgestellt.

Pizza unterwegs selber machen

22 Jul. 2014 13:14 | Kategorie: Tourtagebuch

In der Pfanne oder im Omnia

Auf den Bildern seht ihr den Werdegang vom Hefeteig zur fertigen Pizza. Gebacken haben wir diese abwechselnd in unserer schmeideeisernen Pfanne (mit Deckel) und im Omnia.

Fjorde, Inseln und Flechten

22 Jul. 2014 12:56 | Kategorie: Fotografie

Abseits der Wege zu gehen zahlt sich aus

Die Position, Bildauschnitt etc. für dieses Bild habe ich schon am Vorabend gewählt. Das Bild selbst entstand dann kurz vor dem Frühstück. Was macht es so besonders? Es zeigt viel von dem was es in Skandinavien gibt in herrlichen Farben. Die Inseln im Fjord harmonieren sehr gut mit den "Flechteninseln" auf dem Fels. Die Berge mit ihren harten Konturen bilden einen schönen Kontrast.

Süss und salzig

22 Jul. 2014 12:54 | Kategorie: Fotografie

Wie schön sich Schmelzwasser ins Meer ergießen kann

Auf diesem Bild ergießt sich einer der zigtausend ungezählten Schmelzwasserbäche in einen Fjord. Zwei Abende und Sonnenuntergänge habe ich auf dieses Bild gewartet, inklusive nasser Füße. Denn um an den Aufnahmeort zu gelangen, musste ich durch zwei größere Bäche waten.Es entstanden zahlreiche verschiedene Bilder im Quer- und Hochformat. Dieses hier ist das beste aus der Reihe. Durch die Langzeitbelichtung fließt das Wasser herrlich. Mit dem Neutralgrauverlauffilter milderte ich den Kontrast zwischen Himmel und Wasser auf ein aktzeptables Maß.

Thüringer unterwegs

22 Jul. 2014 12:50 | Kategorie: Tourtagebuch

Ohne Kuchen geht es nicht

Manche reden wenn sie unterwegs sind nur über ihre Ausrüstung. Wir reden viel häufiger übers Essen. Mit Tütenfutter können wir uns nicht mehr anfreunden. Stets sind wir am experimentieren, was mit unserem Holzofen und Küchenzubehör so alles möglich ist. Auf den Bildern seht ihr Tinas erste Outdoorsahnetorte.

Spektakulär und kaum bekannt

22 Jul. 2014 12:45 | Kategorie: Fotografie

Das Marmorschloss in Norwegen

Manche Orten gelten als Geheimtip und werden von normalen Besuchern kaum besucht. Nur zu Fuß erreicht man am Glomaga-Fluss diese besondere Steinformation. Hier hat der das Wasser etwas einzigartiges geschaffen. Nicht nur die Farben des Flußes und des Felsens haben uns begeistert, vielmehr sind die filigranen Strukturen im Fels wirklich sehenswert. Etwas leichte Kletterei ist jedoch notwendig, um dahin zu gelangen.

Von Wasserfällen, gestressten Norwegern und dem Ossi-Treffen am Fjord

22 Jul. 2014 12:43 | Kategorie: Tourtagebuch

Wie die Norweger die Zeit verloren

Von allen bisher bereits bereisten Gegenden hat uns die Wildmarkstraße durchweg am besten gefallen. Der Pass über den Stekkenjokk beschenkte uns mit einem wunderschönen Platz vor traumhafter Bergseekulisse. Landschafts- und Vogelfotografie standen auf dem Tagesprogramm. Aus einer ehemaligen Goldmine haben die Schweden im Rahmen eines Renaturierungsprogrammes ein wirklich angenehmen Platz zum Freistehen geschaffen.
Nach der Weiterfahrt zum Trabstigforsen fotografierte ich fast die ganze Nacht durch. Es ist ein schöner in kleinen Kaskaden fallender Wasserfall und eines der Aushängeschilder der Wildmarkstraße. Kleiner Tipp für alle die sich länger direkt an so einer Stelle aufhalten wollen: Nehmt Euch Ohrstöpsel mit. Nach 6 Stunden hin und her laufen, fotografieren und auf das richtige Licht warten dröhnten einem von der Geräuschkulisse die Ohren.
Tina wollte dann noch das Bjuralven-Naturreservat besuchen. Es ist eine Karstlandschaft, vom Wasser im Laufe der Zeit gestaltet. Der Fluß verschwindet immer mal wieder in der Erde. Hin und wieder bricht einfach ein großes Loch ein, weil der Untergrund ausgespült ist. Das größte und tiefste Loch ist ganzjährig vereist. Wagemutige Taucher gehen hier unter der Erde tauchen. Hier gibt es einen Rundweg. Ein Schwede meinte zu uns, dass es besser sei den Weg entgegengesetzt zum Uhrzeigersinn zu gehen. Es sei einfach - nicht zu viele Berge und Hügel. Dabei hatte er ganz freundlich gelächelt. Der "bessere" Weg hatte nicht so viele wechselnde Auf- und Abpassagen, dafür allerdings einige heftige Treppensteige. Treppen rauf und runter bis die Oberschenkel nur noch brannten und die Knie weich waren. Mit einer älteren Schwedin haben wir uns am sogenannten Kolosseum unterhalten. Sie hat nur über die gute Wegempfehlung gelächelt und uns ganz klar auf die andere Seite des Flußes verwiesen. Es sei besser nicht den Rundweg zu gehen, sondern nur linksherum bis zum Kolosseum und dann den gleichen Weg wieder zurück.
Wir sind dann nach Norwegen gewechselt und haben gleich am ersten Fjord einen größeren Platz zum Freistehen gefunden. Der Platz war gut besucht und Tina hat dort unsere Bilder und Bücher präsentiert. Neben uns parkten dann am Abend zwei Ehepaare aus Sachsen und eines aus Thüringen. Da Ossis ja zu den geselligsten Menschen auf dem Planeten gehören, wurde gleich zusammengrückt. Wo Norweger und Schweden schon längst im Camper schliefen, saßen wir immer noch am Meer. Lustig war auch die Versorgung. Kaum waren wir entdeckt und Kontakt hergestellt, wurden wir mit gekühlten Bier und Wein versorgt. Helmut schenkte fleißig Kräuterschnaps aus. Auf anderen Seite stand ein holländischen Paar. Beide 69 Jahre alt, fit und sehr freundlich. Wir hatte sehr angenehme Gespräche.
Das Autofahren auf der E6 ist der absolute Horror geworden. Noch nie habe ich mich auf der Straße so unwohl, gegängelt und genötigt gefühlt. An steilen Bergabstücken überholen die Norweger mit Wohnmobilen, Hängern etc. auf Teufel komm raus. Uneinsehbare Kurven werden geschnitten. Geht es bergauf hängen sie einem Meter hinter dem Wohnwagen, nach links versetzt, geben Lichthupe und beim Überholen hupen sie einen dann aus. 2008 war das alles noch ganz entspannt und gesittet. Heute gibt es scheinbar nur noch Vollgas bis die Schaufeln des Turbos beim Wohnmobil glühen. Alles wirkt gestresst. Doch die Krönung ist das Linksabbiegen. Der Blinker wird einfach ignoriert. Wenn ich dann bremse um links abzubiegen, wird von hinten ausgeschwärmt. Das heißt, die Helden fangen dann an zu überholen. Aber nicht nur einer, nein, alle zeitgleich kreuz und quer, fast kollidierend. Dabei sind sie mir fast 3 mal ins Auto gefahren. Auf das veränderte Straßenbild hin, habe ich viele Norweger angesprochen. Ein norwegischer Fotograf brachte es auf den Punkt: "The Youngsters getting rich." Kurze Erklärung: Vor einigen Jahrzehnten war Norwegen ein für Europa gesehen relativ armes Land. Dann wurde massiv Öl gefördert. Die finanzielle Situation änderte sich grundlegend. Die Menschen über 40 Jahren haben diese Aufbauphase mitgemacht. Viele deren Kinder, Mitte Zwanzig, kennen nur die jetzige Situation. Entsprechend anders ist die auch die Mentalität und das Auftreten. Sie haben früh ein gutes Einkommen und den entsprechenden Zugang zu Konsum und eben auch zur Bank. Daraus resultiert dann Druck und Stress. Die Zahlen welche mir gesagt wurden, sind mehr als beeindruckend. Bevor ich dazu etwas schreibe, möchte ich aber noch einige weitere Infos einholen. Verhalten und Mentalität wirken natürlich auch in den Straßenverkehr. Der Fotograf meinte, dass es allein am letzten Wochenende in seiner Stadt 4 schwere Unfälle gab. Tendenz steigend.
Eine Norwegerin ergänzte, dass nicht wenige der Mittzwanziger im Sommer nicht mehr arbeiten müssen, weil Ihnen die Eltern diese Erholungszeit finanzieren. Abschließend sagte sie, dass es nicht gut sein, wenn man im Leben alles zu früh und einfach bekommt:" They want all, now."
Absolut einmalig war das sogenannte Marmorschloß. Dazu gibt es einen kurzen separaten Blogeintrag mit Bildern.