Diese Seite ist unseren vierbeinigen Begleitern gewidmet. Jenen, die uns immer wieder auf´s Neue lehren, was Verbundenheit, Hinnahme und Geduld bedeutet. Im Blog finden Sie von Tina verfasste aktuelle Berichte über das Tourleben von Mac und Indi.

 

Unser erster Hund Marek

Manche Dinge im Leben sollen einfach so sein wie sie sind. Manche Entscheidungen und Wege sind richtig und sollten nicht anders passieren.

Im Herbst 2007 gingen wir in unserem Lieblingsbistro Essen - bei einem guten Freund und Weltenbummler. Direkt am Eingang, passend auf Augenhöhe, stieß mir gleich ein kleines Plakat ins Auge und ließ mich nicht mehr los. "Marek sucht ein Zuhause". Die Vorstellung mal einen Hund zu besitzen geisterte, wie bei so vielen auch, ab und an in meinem Kopf herum, war jedoch stets sehr schwammig und nebulös. Doch dieses kleine Plakat lichtete den Nebel und der Gedanke nahm Gestalt an. Die Gestalt eines braunen Hundes mit Stehohren und Fuchsschwanz. "Verträglich mit allem und jedem", "Reisehund", "liebt Autofahren", die Beschreibung klang gut und die Entscheidung war gefallen. Wir lernten ihn kennen, Marek den ehemaligen rumänischen Straßenhund. Annette, seine noch Besitzerin, schilderte uns sein bisheriges Leben. Dass er vor sechs Jahren aus Rumänien in ein deutsches Tierheim kam, bevor er bei ihr einzog. Dass er gemeinsam mit ihr durch Europa reiste, standesgemäß in einem alten LKW. Dass er mehrere Monate in Spanien verbrachte, kurzum ein Hund von Welt. Was sie uns ebenfalls erzählte, war dass sie das Plakat nur an dieser einen Stelle ausgehangen hatte, dass sie es in den nächsten Tagen wieder abgenommen hätte und dass wir die einzigsten waren, die sich daraufhin gemeldet hatten.
Wie gesagt, manche Dinge sollen einfach so sein und drei Tage später zog Marek bei uns ein.

 

Marek

Irgendwo in Rumänien geboren, verbrachte er seine ersten Jahre dort. Vielleicht war er ein Hofhund, der dann irgendwann ausgesetzt wurde. Vielleicht lebte er an der Kette und wurde ins Tierheim abgeschoben, als er nicht mehr gebraucht wurde. Vielleicht wurde er aber auch als Straßenhund geboren und kämpfte jeden Tag um sein Überleben. All dies könnte nur er selbst verraten. Auf jedenfall führten ihn seine Wege nach Deutschland und über Anette zu uns. Er war als wir ihn übernahmen geschätzte neun Jahre alt und hatte schon vieles in seinem Hundeleben gesehen und erlebt.

2008 fuhren wir für 4 1/2 Monate mit Auto und Zelt nach Skandinavien und Marek war der beste Tourbegleiter den man sich nur vorstellen konnte. Er war eine sehr weise Hundeseele, die eine überaus positive und beruhigende Aura ausstrahlte. Er ruhte in sich und zeigte uns, wie es sein muss Zufriedenheit zu erfahren.
Leider war die Zeit mit ihm viel zu kurz. Im Frühjahr 2012 in der Woche nach dem ersten richtig schönen Wochenende des Jahres verließ er diese Welt genauso wie er in ihr gelebt hatte - ruhig, würdevoll und mit viel Weisheit in seinen Augen.

 

MacGyver

Im Jahr 2010 fragte mich mein Mann: "Wenn wir uns einen Welpen holen, würde sich dieser die tollen Eigenschaften von Marek abschauen?". Ich konnte ihm diese Frage nicht klar beantworten. Allerding war diese Frage der Beginn für einen Zweithund.

Nein, einen Welpen wollte ich nicht, bin nicht so der große Fan von Junggemüse. Er darf ruhig schon aus dem Gröbsten raus sein. Fest stand, ein Hund aus dem Tierschutz sollte es sein. Einer von den unzählig vielen Ungewollten, gern auch aus Rumänien.
In unserem digitalen Zeitalter ist alles kein Problem und schnell war der passende Verein gefunden. Freundeskreis Bruno Pet. Ein hervorragend arbeitender Verein der ein Tierheim in Rumänien in Miercurea Ciuc betreut und erstklassischen Auslandstierschutz betreibt.
Bernsteinfarbene Augen sahen mich auf einem Foto auf der Website des Vereins an und es war klar, Malte, wie er damals noch hieß, sollte unser neues Rudelmitglied werden. Nach einem längeren Zwischenstop auf Pflegestelle in Deutschland zog er im November 2010 bei uns ein. Er war damals geschätzte drei Jahre alt und hatte somit sein ganzes Hundeleben vor sich.
Mac ist ganz anders als Marek. Für ihn bedeuted Leben abwägen, überdenken und nicht allzusehr auffallen. Sein Motto: Erst gründlich nachdenken und es dann doch lieber sein lassen, da ja dennoch etwas passieren könnte oder sich der Aufwand nicht lohnt. Auch bei ihm ist die Vorgeschichte nicht bekannt. Erstaunlich ist die Entwicklung solcher Hunde. Selbst nach Jahren gibt es Fortschritte. Wird die Vergangenheit mit teils schlimmen Erfahrungen blasser und weniger dominant. Bei Mac zeigt sich dies unter anderem darin, dass er langsam anfängt Nähe zuzulassen, zu suchen und auch zu genießen. Die Souveränität von Marek wird er nie erreichen. Seine Erfahrungen lassen dies nicht zu. Das ist irgendwie auch gut so. Wie langweilig wäre das Leben, wenn alles gleich, eintönig und kalkulierbar wäre.

 

Indiana

Ich wollte nie einen Welpen und ich wollte nie einen Terrier. Ich konnte mir gut vorstellen mit welchen Anstrengungen und Verzweiflungen dies einher geht. Aber das Leben ist manchmal sehr ironisch. Selten bekommt man das, was man sich wünscht und allzuoft das, was man am wenigsten erwartet.

Indiana kam zu uns nachdem Marek in die nächste Welt gegangen war. Da ich so gute Erfahrungen mit dem Verein Freundeskreis Bruno Pet gemacht hatte, sollte es wieder ein Hund von dort sein. Auswahl gibt es genug bei einer durchschnittlichen Belegung von 300 Tierheimhunden. Jeder dieser Hunde sucht ein Zuhause, jeder dieser Hunde hat eins verdient. Viele werden nie diese Erfahrung machen können.
Meine Wahl viel auf Vilios. Drei Jahre alt, 43 cm groß, Stehohren, Knopfaugen. Gut, ich gebe zu, ein bisschen Mitleid spielte bei der Entscheidung auch eine Rolle. Denn Vilios sah auf den Bildern seiner Ankunft im Tierheim einfach nur furchtbar aus. Abgemagert bis auf die Knochen und übersäht mit Verletzungen. Wurde er, da er den Ansprüchen seiner "Besitzer" nicht genügte auf der Straße in Rumänien entsorgt? Überfordert mit der Situation und ohne Nahrung begegnete er vielleicht den dort ansässigen Hunden. Es ist ein Überlebenskampf und Eindringlinge werden nicht gedultet. Kamen daher seine Verletzungen? Wie auch immer Vilios hatte Glück. Er wurde gefunden und ins Tierheim in Miercurea Ciuc gebracht. Sehr viel Glück. Wäre nur weniges anders verlaufen, würde er jetzt nicht in Schweden in unserem Wohnwagen auf seiner Decke zu meinen Füßen liegen. In seinem damaligen Zustand hätte er nicht mehr lange überlebt und wäre einer der unzähligen namenlosen gewesen, die unbeachtet gestorben wären.
Im April 2012 erreichte er Deutschland. Ein Terrier-Mix der sich wie ein Welpe verhält und dem die ganze Welt gehört. Kaum etwas bringt ihn aus dem Konzept und so gut wie nix verdirbt seine gute Laune oder seinen Appetit. Sein Motto: Erst handeln und dann denken. Er ist ein Hund, der einen auf den Boden der Tatsachen bringt. Der einen sehr oft zum herzhaften Lachen bringt und manchmal aber auch zum Verzweifeln. Er ist ein Hund, der einen lehrt, dass nicht alles lösbar ist und dass man manche Dinge so nehmen sollte, wie sie sind. In seiner Welt ist es zum Beispiel normal Dinge lautstark mit seiner extrem schrillen Stimme zu kommentieren. Ob dies zu schnell fahrende Autos sind, andere Hunde, die in dem Moment einfach nicht dort zu sein haben oder einfach der Spaß an der Freude. Und niemand auch nicht ich können ihm erklären, warum dies nicht so zu sein hat. Immerhin ist es ja seine Welt und seine Realität.